Menschenrechte, Wissenschaft

Viele Lehrer wissen kaum mehr als ihre Schüler

via Tagesschau

Regierungen in aller Welt sollten nach einer Studie die Rahmenbedingungen für Familien verbessern, damit Kinder sich voll entfalten können. Zu diesem Schluss kommt eine nun veröffentliche internationale Analyse des World Policy Analysis Center, das die rechtlichen Grundlagen und die Familienpolitik in insgesamt 191 Ländern verglichen hat. Ein wichtiges Thema der Studie war der Bereich Bildung. „Millionen Kinder werden durch die Verhältnisse in ihren Ländern daran gehindert, ihr volles Potenzial zu entfalten“, konstatieren die Autoren.

Abschaffung von Schulgebühren zeigt schnell Wirkung

In wohlhabenden Ländern sei für die große Mehrzahl der Kinder der Besuch von weiterführenden Schulen die Regel. Ganz anders sehe dies jedoch in ärmeren Regionen aus. Von 100 Kindern, die theoretisch eine weiterführende Schule besuchen könnten, seien es in den arabischen Staaten 69, in Süd- und Westasien 59, und südlich der Sahara sogar nur 40, die dies dann auch täten.

Ein wichtiger Punkt sei die Abschaffung von Schulgebühren. Als Beispiel führen die Forscher die Situation in Malawi an. Seit dem Jahr 1994 sei der Besuch von Grundschulen dort kostenfrei. Während 1991 nur rund die Hälfte der Kinder angemeldet gewesen seien, habe sich die Situation kurz nach der Reform grundlegend geändert. Bereits 1995 gingen 99 Prozent der Kinder zur Grundschule.

Grafik: Schulgeld Großansicht des Bildes *Enthalten sind auch Länder, in denen zwar kein Schulgeld bezahlt werden muss, aber unter Umständen andere Beiträge anfallen. Es liegen keine ausreichenden Informationen vor, um diese Gebühren im Einzelnen wissenschaftlich zu erfassen. Aus den Ländern, die nicht farblich markiert sind, liegen keine Daten vor.

Oft wissen die Lehrer kaum mehr als ihre Schüler

Ein weiterer wichtiger Punkt sei auch die Ausbildung der Lehrkräfte und damit die Qualität des Unterrichts, so die Autoren der Studie. In mindestens zwölf afrikanischen Ländern seien rund 40 Prozent der Schüler Analphabeten, obwohl sie sechs Jahre zur Schule gegangen seien. In 48 Ländern müssten Lehrer der Sekundarstufe als Voraussetzung für ihren Beruf ebenfalls nur einen Sekundarschulabschluss mitbringen. Und auch auf weiterführenden Schulen sei die Lage oft ähnlich. Dies führe dazu, dass die Lehrer in ärmeren Ländern oft nur wenig mehr Wissen mitbrächten als ihre Schüler.

Grafik: Lehrerausbildung Großansicht des Bildes *Der Bereich „Nur-Schulabschluss“ umfasst Länder, die von Lehrkräften lediglich einen mittleren Schulabschluss – je nach Land mit oder ohne Lehrertraining – fordern.
**Zusätzliches Lehrertraining umfasst sowohl einen Bachelorabschluss in Erziehungswissenschaften als auch einen Bachelorabschluss in anderen Bereichen plus zusätzlichem Lehrertraining.
***Der Bereich „Master-Abschluss“ umfasst alle Länder, die ein abgeschlossenes Master-Studium fordern – unabhängig davon, ob eine zusätzliche pädagogische Ausbildung erforderlich ist.

Wer arbeitet und gleichzeitig zur Schule geht, bricht früher ab

Weltweit gingen 215 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren bereits einer Erwerbsarbeit nach, so die Studie. Viele der Betroffenen seien dafür ganz aus der Schule herausgenommen worden, viele Minderjährige versuchten, Schule und Arbeit parallel zu bewältigen. Als Beispiel für die Auswirkungen führen die Forscher Vietnam an: Die Kinder, die dort sowohl zur Schule gingen als auch einer regelmäßigen Arbeit nachgingen, brachen die Schule im Schnitt drei Jahre früher ab als die Kinder, die ausschließlich eine Schule besuchten.

Grafik: Kinderarbeit Großansicht des Bildes Länder, die gesetzlich festgelegt haben, dass Kinder ausschließlich leichte Arbeiten ausführen dürfen, die ihren Lernerfolg in der Schule nicht negativ beeinträchtigen, tauchen in der Statistik als Länder auf, in denen Kinder gesetzlich davor geschützt sind, an einem Schultag zusätzlich sechs oder mehr Stunden zu arbeiten.

Finanzielle Unterstützung von Familien zahlt sich aus

In der Studie ging es neben dem Bereich Bildung auch um Armut, Diskriminierung, Gesundheit, Kinderarbeit und Kinderehen. Grundsätzlich erinnern die Experten daran, dass eine regelmäßige finanzielle Unterstützung von Familien in der Regel auch dazu führt, dass Kinder sich besser entfalten können. Bessere Rahmenbedingungen seien oftmals nötig, etwa durch Mindestlöhne, bezahlten Mutterschutz, kostenlose Bildung für Kinder oder Einschränkung der Kinderarbeit in besonders armen Ländern. Hier hätten zahlreiche Staaten Nachholbedarf.

Grafik: Familienhilfe Großansicht des Bildes *Enthalten sind auch die Länder, in denen zwar die gesetzlichen Rahmenbedingungen bereits geschaffen wurden, Familien aber noch nicht finanziell unterstützt werden.
**“Spezielle Fälle“ bezieht sich zum einen auf Gruppen wie beispielsweise Alleinerziehende oder Waisenkinder, zum anderen auf Leistungen wie beispielsweise Wohngeld, Entbindungsgeld oder Erziehungsgeld.

Die Situation der Eltern wirkt sich der Studie zufolge auf das Wohlergehen des Nachwuchses aus. Ein bezahlter Mutterschutz habe sich inzwischen fast überall durchgesetzt, nur acht der 191 untersuchten Länder hätten keine entsprechende Regelung – darunter auch die USA. Berufstätige Eltern müssten unterstützt werden, etwa durch die Einführung von Mindestlöhnen und die Bereitstellung von Tagesstätten und anderen Arten der Kinderbetreuung.

Das an der renommierten University of California, Los Angeles (UCLA) angesiedelte Zentrum will Führungskräfte anhand der länderübergreifenden Analyse von Daten bei der Lösung von Problemen unterstützen. Dies gilt für Fragen auf örtlicher, nationaler und internationaler Ebene.

ExternDownload der Studie „Changing Children’s Chances“ [engl.]

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