Arbeit, Bildung, Menschenrechte

Mob

Ich versuche es mir gerade vorzustellen, war in der FDP Bundestagsfraktion, bin über 50, war 30 Jahre in der Partei, also quasi kaum Berufserfahrung gehabt und keiner will mich mehr haben.
Und das alles, weil ich mich für eine bestimmte Meinung eingesetzt habe.
Die Meinungsfreiheit gilt dann nicht mehr, sondern werde dafür bestraft, nicht nur ich, sondern auch meine Familie, Freunde und Mitarbeiter.
Passanten und Nachbarn schimpfen, lästern, belästigen, meine Kinder müssen noch mehr leiden.
Bin zu alt für einen Wechsel in das Berufsleben außerhalb der Politik, so dass mir eigentlich nur der soziale Abstieg bleibt.
Das Arbeitsamt ist überfordert mir die richtigen Ratschläge zu geben bzw. mich erfolgreich in eine „adäquate“ Arbeitsstelle zu vermitteln. Die Anspannung zuhause mit meinem Lebenspartner steigt …
Dabei denke ich, wir leben in einem Sozialstaat und haben eine grundsätzliche Verpflichtung zu einer Resozialisierung.
Wie wenig denken doch Menschen daran.
Ja, es wird schon seit längerer Zeit versucht zu zeigen, was in unserer Gesellschaft nicht stimmt, nicht nur die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich, sondern auch diese Kälte in dieser Gesellschaft, die auch in Konzernen und Behörden geschieht, wie auch wenn man selbständig war, man kann so tief stürzen.
Auch musste ich schon erleben, was ein ehemaliger Ober-Bürgermeister für Hamburg erleben musste. Er ging mit seiner Frau an der Alster spazieren. An ihm geht ein anderes Ehepaar vorbei, erkennt ihn… Nach weiteren Schritten wirft dann eine Frau, hanseatisch nobel gekleidet, einen Stock nach ihm, der ihn am Kopf trifft. Sie bittet um Entschuldigung, sie wollte den Stock ins Wasser werfen.
Dieser Mob, den gibt es nicht nur bei den „einfachen“ Menschen, sondern in allen Kreisen und Schichten.
Ich kenne Obdachlose, die waren mal richtig weit oben und werden es kaum noch schaffen, wieder in die „Gesellschaft“ zurück zu kommen, nicht nur, weil es denen an ausreichender seelischer Kraft fehlt.
Deutschland geht es gut, höre ich dennoch immer wieder.
Deswegen auch haben wir unverändert Probleme Menschen mit weniger „Leistungsfähigkeit“ zu inklusieren und Menschen mit einer gewissen „Vergangenheit“ zu resozialisieren.
Um so weniger darf man sich Fehler erlauben und eigentlich auch in die Politik gehen.
Nach wie vor gibt es Menschen, die nicht verstehen, was es heißt, barmherzig zu sein und wieviel Persönlichkeit es bedeutet, verzeihen zu können.
Welch wirkliche Lösung kann es nur geben?
Wir brauchen eben mehr Zeit für die Bildung.
Wenn sie nicht reichte, dann muss eben noch mehr für die Bildung getan werden.
Es gibt keine andere Alternative.
So verstehe ich um die Bedeutung der seelischen und psychischen Kraft von Malala.

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