Philosophie

Denken als stiller Dialog zwischen mir und mir selbst

(Wegen der Situation in Syrien und Ukraine, muss ich nun auch wegen Israel und Palästina ständig daran denken)

(von Hannah Arendt)
Seit Sokrates und Platon bezeichnen wir „Denken“
als stillen Dialog zwischen mir und mir selbst.
indem Eichmann sich weigerte,
eine Person zu sein,
hat er die entscheidende Fähigkeit,
die erst einen Menschen ausmacht,
vollständig aufgegeben.
Nämlich die Fähigkeit selbst zu denken.
Infolgedessen war er nicht imstande,
moralische Urteile zu fällen.
Dieses Unvermögen,
zu denken,
schaffte erst die Voraussetzung für viele ganz gewöhnliche Menschen
abscheulichste Taten in einem Ausmaß zu begehen,
dergleichen man noch nie gesehen hatte,
auch noch nie zuvor.

Nutzen oder auch Gewinn
vom „Wind des Denkens“,
ist nicht Erkenntnis,
sondern unterscheiden zu können
zwischen richtig und falsch
und zwischen schön und hässlich.
Und ich hoffe,
das Denken gibt den Menschen die Kraft,
eine mögliche Katastrophe zu verhindern,
in solch entscheidenden Momenten,
wenn schon alles verloren scheint.20140716-023554-9354049.jpg

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1 thought on “Denken als stiller Dialog zwischen mir und mir selbst”

  1. Sehr verehrte Frau Arendt!
    Ein wunderbarer Anstoß zur Mündigkeit. Warum aber nicht „Erkenntnis“?
    Denn „unterscheiden“ zwischen „richtig und falsch“, „schön und hässlich“ braucht eine vorausgegangene, persönliche Erkenntnis, als normative und moralische Basis.
    Dann bin ich sicher, reicht die Kraft des Denkens irgendwann dazu, die Produktion von Waffen weltweit zu beenden! Weil niemand mehr gehorcht, wenn zu den Waffen gerufen wird, selbst wenn der Gegner unmenschlich, im Unrecht ist, und angefangen hat.
    Warum darf Herr Snowden eigentlich noch immer nicht nach Deutschland?!
    Wodurch wird unsere Fähigkeit zu denken verkleistert?
    Sind wir unserer eigenen Verwaltung Untertan?
    Die „mögliche Katastrophe“ setzt sich doch fort, seit die Hoffnung der Nachkriegszeit auf konsequente Friedenspolitik, den Interessen der Waffenlobby unterworfen wurde.
    Oder denke ich da falsch, liebe Frau Arendt?
    Über Gedankenaustausch mit Ihren Ahnen bin ich weiterhin dankbar. Hier noch eine kleine metaphorische Anregung aus einer Zeit, in der das Denken noch geholfen hat:

    Christa Wolf
    Kassandra (1983)
    Nach einer langen öden Zeit ohne Träume hatte ich nachts endlich wieder einen Traum. Er gehörte zu jenen Träumen, die ich gleich für bedeutsam hielt, nicht ohne weiteres verstand, doch nicht vergaß. Ich ging, allein, durch eine Stadt, die ich nicht kannte, Troja war es nicht, doch Troja war die einzige Stadt, die ich vorher je gesehn. Meine Traumstadt war größer, weitläufiger. Ich wußte, es war Nacht, doch Mond und Sonne standen gleichzeitig am Himmel und stritten um die Vorherrschaft. Ich war, von wem, das wurde nicht gesagt, zur Schieds- richterin bestellt: Welches von den beiden Himmelsgestirnen heller strahlen könne. Etwas an diesem Wettkampf war verkehrt, doch was, das fand ich nicht heraus, wie ich mich auch anstrengen mochte. Bis ich mutlos und beklommen sagte, es wisse und sehe doch ein jeder, die Sonne sei es, die am hellsten strahle. Phöbus Apollon! Rief trium- phierend eine Stimme, und zugleich fuhr zu meinem Schrecken Sele- ne, die liebe Mondfrau, klagend zum Horizont hinab. Dies war ein Urteil über mich, doch wie konnte ich schuldig sein, da ich nur ausge- sprochen hatte, was der Fall war. […] Das wichtigste an deinem Traum, Kassandra, war dein Bemühn, auf eine ganz und gar verkehrte Frage doch eine Antwort zu versuchen.
    Aus: Christa Wolf, Kassandra. © Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2008

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