Freiheit, Menschenrechte

9.11.1989

Wie immer am 3.10. muss ich ganz besonders an den 9.11.1989 denken! In der Nacht vom 8. auf 9.11., während meine Kommilitonen alle vor dem TV sassen und die Nachrichten verfolgten, entschloss ich mich, meine Verwandten mit einem Besuch zu überraschen.
Beim Grenzübergang Schlutup war ich stets gewohnt, dass ich wie ein Terrorist gefragt wurde, was ich in der DDR wolle. Stundenlang dauerte oft ein Grenzübergang.
Am 8.11.89 jedoch, niemand war da, NIEMAND. Völlig verwirrt, als hätte ich schwere Entzugserscheinungen, fuhr ich ohne anhalten zu müssen „rüber“… Und dann … In Schlutup stand das ganze, sonst sehr gemächliche, Fischerdorf auf der Strasse mit selbst gebackenem Kuchen und frischem Kaffee in Thermoskannen.
WILLKOMMEN sei ich
Unglaublich … und wunderschön …
Ich fuhr dann nach einer Versorgung wie durch eine Katastrophenhilfe weiter.
Gleich am Dorfausgang sah ich eine verzweifelte Familie an der Strasse wild mit Armen fuchtelnd und auf deren Trabbi zeigend, der Trabbi war in einen Graben gerutscht …
Natürlich hielt ich an und half mit meinem Wagen den Trabbi aus den Graben zu ziehen und fuhr dann weiter.
Schon nach rund einem Kilometer stand ein Mann an der Strasse, auch völlig verzweifelt … er wollte nach Rostock. Natürlich nahm ich ihn mit, denn wir hatten das gemeinsame Ziel.
Dieser Mann, das erfuhr ich dann, desertierte als Grenzer für die Grenzstation Schlutup und wollte sofort zu seiner Frau und sie holen.
Ich entschied mich dann ihm anzubieten, dass ich ihn nicht nur dahin bringe, sondern wir dann zusammen nach Hamburg fahren.
H A M B U R G sagte er und sah mich freudestrahlend an … Nachdem wir seine Frau abholten und wir dann zu dritt wieder an der Grenzstation waren, das war rund 1h morgens, am 9.11., war die Grenzstation wieder besetzt.
Mein Beifahrer, der Deserteur wollte sofort aussteigen. Ich sah ihn an und sagte alles mit meinen Augen. Er beruhigte sich.
An der Grenzstation dann, der dort anwesende Grenzer erwies sich als ein Freund meines Beifahrers.
Er sagte zu ihm durchs Fenster, „bitte, versprich mir alles von Hamburg zu erzählen“. Er kann ihn verstehen und wird ihn nur krank melden.
Dieses ganze Erlebnis fasse ich zusammen in 3 Begriffen Freiheit, Verantwortung, Vertrauen

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